Ob Frühstarter oder Nachzügler; wer fährt, obwohl die Ampel bereits seit einer Sekunde oder gar länger auf rot steht, wird mit einem Fahrverbot bedacht. So sieht es der Bußgeldkatalog vor (Nr. 132.2). Denn beim qualifizierten Rotlichtverstoß handele es sich in  der Regel um eine besonders grobe Verletzung der Pflichten eines Kraftfahrzeugführers. Und eben solche werden nach § 25 Abs. 1 StVG mit einem Fahrverbot geahndet. Aber muss das sogenannte „Sekundenversagen“, das typischerweise für einen Frühstart ursächlich ist, nicht anders behandelt werden?

Das Oberlandesgericht (OLG) Bamberg meint: Grundsätzlich nein. Denn ob ein Verstoß gegen die Pflichten eines Kraftfahrzeugführers als grob im Sinne des Gesetzes einzustufen ist, hängt von der Gefahr ab, die von ihm ausgeht. Und der Verstoß ist bei dem Fahrer, der das Rotlicht zunächst beachtet und anhält, dann aber noch während der Rotphase weiter fährt, nicht weniger gefährlich als bei dem Fahrzeugführer, der als Nachzügler zum Beginn der Rotphase die Haltelinie überfährt.

Dennoch will das OLG Bamberg unter bestimmten Umständen, die über das Augenblicksversagen hinausgehen, für den Frühstarter Ausnahmen anerkennen. Zum Beispiel dann, wenn das Rotlicht nicht dem Schutz des kreuzenden Verkehrs dient. Davon war das OLG in dem ihm auf die Rechtsbeschwerde des Betroffenen hin vorgelegten Fall ausgegangen und hat das durch das Amtsgericht angeordnete Fahrverbot aufgehoben.