Ob hilfreich für unser Wohlbefinden oder gefährlich für die Gesundheit; kurzum: Ob Heilmittel oder Gift, entscheidend für die Einordnung ist oft nicht die Beschaffenheit der Stoffe, die wir zu uns nehmen. Entscheidend ist vielmehr die Dosis, in der wir sie unserem Körper zuführen. Sie ist es, die die Wirkung so mancher Stoffe auf unseren Körper entweder heilsam oder zerstörend sein lässt. So beispielsweise beim Alkohol, der in der Schulmedizin entweder unmittelbar als Heilmittel zur Anwendung kommt, oder auch bei der Herstellung von Arzneimitteln benötigt wird. Flüssigen Medikamenten mit pflanzlichen Wirkstoffen – wie zum Beispiel Hustensaft – wird Alkohol häufig als Trägersubstanz zugefügt.

Ob nun mit der Medizin oder dem Cocktail zu sich genommen; die Wirkung des Alkohols bleibt dieselbe. Und: Für das Ergebnis einer Messung der sogenannten Blutalkoholkonzentration (BAK) oder auch der sogenannten Atemalkoholkonzentration (AAK) ist ohne Bedeutung, ob der Alkohol als Medikament oder Genussmittel seinen Weg in unseren Körper fand. Auf den Ausgang eines Strafverfahrens wegen des Verdachts einer Trunkenheitsfahrt kann sich dieser Umstand hingegen ganz unterschiedlich auswirken.

Zum Beispiel wenn es um die Frage der Verwertbarkeit des Ergebnisses einer AAK-Messung geht. So wie in einem Fall, über den in der Revision mal wieder das OLG Bamberg zu entscheiden hatte. Der Polizei war ein Autofahrer aufgefallen. Er wurde angehalten, und es wurde eine Atemalkoholmessung durchgeführt. Undzwar mit einem Gerät des Typs „Dräger Alcotest 7110 Evidential“. Die mit diesem Atemalkoholmessgerät ermittelten Werte werden von der Rechtsprechung in aller Regel ohne Weiteres anerkannt. Denn es handelt sich um ein sogenanntes standardisiertes Messverfahren. Voraussetzung ist allerdings, dass die allgemeinen Regeln des Messverfahrens eingehalten werden. Beim „Dräger Alcotest 7110 Evidential“ gehört dazu, dass der Alkoholkonsum vor Messbeginn mindestens seit 20 Minuten abgeschlossen sein muss.

Gegen diese Regel war in diesem Fall verstoßen worden. Kurz nach dem Anhalten durch die Polizei hatte der unter Husten leidende Autofahrer noch einen kräftigen Schluck aus der Hustensaft-Pulle genommen. Jedenfalls war ihm diese Behauptung in der strafgerichtlichen Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht nicht zu widerlegen. Obgleich der Amtsrichter einen Sachverstädnigen hinzugezogen hatte, kam er zu dem rechtlich nicht haltbaren Ergebnis, dass der Schluck Hustensaft kurz vor dem Beginn der Atemalkoholmessung auf deren Ergebnis keinen Einfluss hatte.

Das OLG korrigierte diesen Rechtsfehler. Die Ergebnisse standardisierter Messverfahren sind eben nur dann ohne Weiteres zu übernehmen, wenn die Regeln des Verfahrens eingehalten wurden. Dies war hier nicht der Fall; mit der Folge, dass die Werte der AAK-Messung überhaupt nicht zu verwerten waren. Somit musste auch ein Freispruch erfolgen.