Nachbarn flüchten nicht.

Wer ohne Führerschein Auto fährt und nach einer Kollision mit einem anderen Fahrzeug dann auch noch Unfallflucht begeht, macht sich strafbar. Wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und unerlaubten Entfernens vom Unfallort droht gemäß § 21 StVG und § 142 StGB die Verurteilung zu einer Geldstrafe. Es sei denn, – das Ganze bleibt sozusagen unter Nachbarn. So wie im folgenden Fall:

Der Bewohner eines Mehrfamilienhauses musste für die Dauer eines Monats auf das Autofahren verzichten, nachdem gegen ihn wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung ein Fahrverbot verhängt worden war. Seinen PKW ließ er währenddessen auf dem zum Hause gehörenden Mieterparkplatz stehen, der von den sechs Mietparteien – und zwar nur von diesen – genutzt wurde. Wohl aus Vorfreude auf das bald bevorstehende Ende der „autofreien Zeit“ sollte das Schmuckstück einer Autowäsche auf dem Hof unterzogen werden. Ein kurzes Rangieren war erforderlich. Dabei kam es zur Kollision mit einem abgeparkten Fahrzeug eines anderen Mieters. Ohne diesen davon in Kenntnis zu setzen, stellte der Verursacher seinen Wagen wieder in die Parkbucht zurück und entfernte sich, ohne zu wissen dass er beobachtet worden war.

Auf die Anzeige des Geschädigten hin wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es kam zur Anklage, und durch das Amtsgericht erfolgte eine Verurteilung wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und unerlaubten Entfernens vom Unfallort. Doch das Urteil hatte keinen Bestand. Es wurde in der Revision aufgehoben.

Beide strafrechtlichen Tatbestände, um die es hier ging, setzen nämlich voraus, dass die zu ahndende Tat im öffentlichen Straßenverkehr begangen wurde. Ein Verkehrsraum, bei dem es sich auch um einen Parkplatz handeln kann, ist dann als öffentlich anzusehen, wenn er entweder ausdrücklich oder doch wenigstens mit stillschweigender Duldung des Verfügungsberechtigten für die Benutzung durch die Allgemeinheit oder zumindest für eine unbestimmt große Gruppe von Personen frei gegeben ist.